Faule Jungen – fleißige Jungen… eine Stellungnahme

Fleißge Jungen, faule Jungen?

Mit der Fragestellung ob es nun fleißige Jungen und faule Jungen gäbe -unter dieser Überschrift veröffentlichte der Berliner Tagesspiegel am 4.4.2013 den Beitrag eines Mitarbeiters am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Aus mehreren Gründen möchte ich dessen Ansichten nicht nachzeichnen, sondern zum Anlass für eigene Reflektionen nehmen.

2009 hat das Familienministerium der schwarzgelben Bundesregierung ein “Jungenreferat” eingerichtet. Da dieses Ministerium häufig durch populistischen Aktionismus in die Nachrichten drängt, ist es nicht besonders aufgefallen, dass der Referatsgründung in der Praxis bis heute kaum etwas nachfolgte.

Pädagogische Institutionen hatten längst festgestellt, dass unser Bildungssystem Jungen benachteiligt, was Förderung als Konsequenz nahelegt. Mehrere Studien belegen, dass Mädchen im Schnitt in der Schule disziplinierter, fleißiger und motivierter sind. Sie haben eine höhere Lern- und Leistungsbereitschaft, verbringen mehr Zeit mit Hausaufgaben, arbeiten mehr als verlangt wird, sind besser auf den Unterricht vorbereitet. (Jungen “glänzen” hingegen mehr bei der Arbeitsvermeidung und beim Zuspätkommen zum Unterricht, finden sich stärker an Förder- und Hauptschulen.)

Aber die Zusammenhänge dazu sind vielschichtig und durchaus nicht auf Deutschland beschränkt:

  • Die Elternerziehung spielt vor allem dann eine Rolle, wenn sie geschlechterspezifische Klischees und damit eine verzerrte Selbstsicht befördert (Bsp.: Überlegenheit, Entscheidungsdominanz – es ist nachgewiesen, dass viele Eltern >beide Teile!< Jungen für intelligenter halten als Mädchen und sie danach behandeln)

Wird einem Kind nämlich suggeriert, dass seine Leistungen auf “natürliche Begabung” zurückzuführen sind, strengt es sich in der Folge weniger an (betrifft viele Jungen). Wird dem Kind hingegen suggeriert, dass seine Leistung auf konsequentes Lernen zurückzuführen ist, wird es bereitwilliger und motivierter lernen (betrifft viele Mädchen).

Manche Jungen sehen aus ihrer Sozialisation heraus Lernanstrengung als Beweis für das Fehlen natürlicher Begabung, die sie gern für sich in Anspruch nehmen. Fleiß gilt ja als eine Sache für Mädchen. So strengen sich Mädchen also im Schnitt stärker an als Jungen – und erzielen damit bessere Erfolge. Und die Jungen stehen sich mit ihrer Selbstgefälligkeit für bessere Lernerfolge selbst im Wege.

Sind das denn wirklich faule Jungen? Nein! Aber richtige Förderung muss her!

Hier genau setzt das Konzept von Zentral-lernen im Hintergrund an. Dadurch dass die Kinder erleben, dass man durch gezieltes “Lernen lernen” danach leichter, besser und erfolgreicher lernt, steigen Motivation und Erfolg. In dem beschriebenen Rollenbild profitieren die Mädchen, weil das neue Lernen viel weniger Mühe bedeutet und besser funktioniert – die Jungen empfinden sich weniger mühen zu müssen als Erleichterung und gehen motivierter mit.

  • Der Mythos, dass Mädchen Mathe und Naturwissenschaften “schlechter können”, ist einfach falsch

Mädchen sind nämlich in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern ähnlich gut wie Jungen, mögen sie aber weniger und studieren sie seltener. Hier “hilft” den Jungen ggf. Ihr Selbstbild: sie vertrauen darauf, Aufgaben bewältigen zu können, auch wenn sie ihnen Schwierigkeiten bereiten (Pisa-Gender-Studie 2009).

  • Jungen müssen mehr Leistung bringen, um die gleichen guten Noten oder eine Gymnasialempfehlung zu bekommen (fleißige Jungen?)

Diese Erkenntnis ist schon lange und breit belegt, aber ihre Ursachen sind nicht eindeutig erklärt. Dass eine “Feminisierung” der Erziehung von Jungen der alles erklärende Grund ist, wird so rigide nur von wenigen behauptet. Allerdings ist zu beachten:

a – Gerade bei Alleinerziehenden fehlt für Jungen oft der “Vater” bzw. ein männliches Pendant als Identifikation und positives Rollenbild.

b – Die öffentlichen Erziehung, da sind sich Bildungsforscher und Praktiker einig, ist in Deutschland weiblich geprägt, insbesondere bei der frühkindlichen Erziehung in Kitas mangelt es meist an einem positiven Gegenüber gleichen Geschlechts.

c – Hirnforschung und die Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung belegen, dass der Grundschulalltag besondere Erschwernisse für die “Natur” von Jungen bedeutet.

d – Auch wird allgemein nicht in Abrede gestellt, dass eine wachsende Zahl von Lehrerinnen eine Ausrichtung des Unterrichts an Eigenschaften und Bedürfnissen von Mädchen vollzieht.

e – Niemand wird bestreiten, dass Jungen “schwieriger zu führen” sind als Mädchen (manche Eltern atmen sogar dankbar auf, wenn Fachleute stark pubertierenden Jungen eine Wahrnehmungseinschränkung der Realität bis hin zu momentaner Unzurechnungsfähigkeit bescheinigen). Für eine Lehrkraft wiederum bedeuten “schwierige Kandidaten”, “Störer” und “freche Jungen” eine Arbeitserschwernis, die die Sympathiewerte senkt, den Umgang miteinander angespannter gestaltet. Gerade “schlechtes Benehmen” können Jungen bisweilen gut.

Keine noch so gute pädagogische Ausbildung kann so etwas ausgleichen. Erfahrungen zeigen, dass “Förderung” bei Jungen wirksam wird durch ein entspanntes partnerschaftliches Verhältnis und intensiveren Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften. Grundlegender Wandel zu beidem ist in unserem Bildungssystem nicht realistisch zu erwarten.

  • Ausschluss durch “bildungsferne Herkunft”?

Lassen Sie mich mit einer Bemerkung zu allgemeinen Bildungschancen abschließen. Zu oft fallen da nahezu stammtischhaft Begriffe wie “Migrantenfamilien” oder “bildungsferne Familien” – und jeder denkt sich dazu, was er will.

Niemand kann oder will bestreiten, dass ein Familienumfeld mit prekären finanziellen Verhältnissen, geringer Eltern-Bildung, geringen Deutschkenntnissen, Lebensregeln aus einem anderen kulturellen Hintergrund usw. KEINE guten Voraussetzungen sind für einen guten Bildungserfolg der Kinder in Deutschland.

Aber auch vor solchen Hintergründen gibt es selbstbewusste, aufstiegswillige und lernfähige Jugendliche und deren Unterstützung durch die Eltern. Im weltweiten Vergleich hat die OECD festgestellt, dass ein Drittel der sozial benachteiligten Jugendlichen genug Selbstbewusstsein und Willensstärke besitzt, um sich nicht unterkriegen zu lassen. In vielen Ländern beträgt der Anteil ca. 35%, im OECD-Durchschnitt 31%. In Deutschland dagegen sind laut OECD etwa 22 Prozent der Risikoschüler dieser Gruppe willensstarker Jugendlicher zuzurechnen.

22% – das ist jedes 4. oder 5. aus den Kindern mit ungünstigen Voraussetzungen für guten Bildungserfolg !

 22% der Kinder sind aus sich heraus gut motiviert. Da verbietet es sich doch, abfällige Bemerkungen zu machen.

Diese Kinder brauchen vielleicht nur noch motivierende Anstöße, um erfolgreiche Selbstläufer im Bildungssystem zu werden. Zugegeben: Für den Rest ist eine bessere Bildungs- und Sozialpolitik in unserem Land gefordert.

 Zentral-lernenist ein fachlich geeignetes Werkzeug für gute Lernerfolge. Die Techniken finden Eingang in LernCoachings und in Lerntherapien nach § 35a SGB VIII, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wenn ein Kind Teilleistungsstörungen im Bereich Lesen, Schreiben (Lese-Rechtschreib-Störung/Legasthenie) oder in erheblichem Maße Rechnen (Dyskalkulie) offenbart.

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