Optimales Lernen – die vier Phasen

Optimales Lernen

Das Lernen passiert grundsätzlich in 4 Phasen:

  1. Phase: unbewusste Inkompetenz
    In dieser Phase bin ich mir noch gar nicht bewusst, dass ich den Inhalt noch gar nicht kann – vielleicht kenne ich noch nicht einmal den Inhalt.  Ich weiß noch gar nicht, was ich noch nicht kann.
    Beispiel: Wenn ich noch keine Fahrräder kenne, weiß ich auch noch nicht, dass ich nicht auf ihnen fahren kann…
  2. Phase: bewusste Inkompetenz
    Jetzt weiß ich, was ich noch nicht kann. Das hilft mir noch nicht viel weiter – aber zumindest werden mir jetzt die Inhalte erstmalig erläutert.
    Beispiel: Jetzt weiß ich zumindest schon einmal, was ein Fahrrad ist, genauso stelle ich aber fest, dass ich mich damit nicht fortbewegen kann.

    Radfahren lernen

    c) by CREAPRO

  3. Phase: bewusste Kompetenz
    Wenn ich mich voll und ganz auf die Sache konzentriere, bekomme ich sie hin. Ich kann es, wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit zu 100% bei der Sache bin.
    Beispiel: Wenn mir jemand genau sagt, was ich wann machen muss und ich mich nur auf das Fahrrad, das Treten in die Pedale und das Halten des Gleichgewichts konzentrieren brauche, kann ich (ein wenig) Fahrradfahren.
  4. Phase: unbewusste Kompetenz
    In dieser Phase nehme ich die Fähigkeit als selbstverständlich hin. Ich beherrsche diese Fähigkeit, kenne mich mit allen Eventualitäten aus und erledige die Aufgabe auch gern mal nebenher.
    Beispiel: Ich kann beim Fahrradfahren auch auf den Verkehr achte, (mit einem Headset) telefonieren und mir schon überlegen, was ich mir zuhause zum Abendbrot machen werde.

Wenn es unser Ziel ist, Experte sein zu wollen, wollen wir die vierte Phase erreichen. Nur so ist gewährleistet, dass ich auch noch genügend Aufmerksamkeit für die Anwendung und alles drum herum aufbringen kann. Für optimales Lernen gelten die gleichen Regeln.

LernCoaching

c) by CREAPRO

Bevor wir in die Schule kommen, wissen wir noch gar nicht so recht, was wir dort alles lernen werden. Wir können es auch noch nicht, denn die Fähigkeiten, die wir uns bis hierher angeeignet haben, sind uns zumeist “nebenher” in Fleisch und Blut übergegangen. Jetzt aber in der Schule werden wir aufgefordert zu lernen. Einigen, die gute Vorerfahrungen haben und vielleicht auch schon zuhause darin unterstützt wurden, sich eine Fähigkeit anzueignen, fällt dieser Prozess jetzt relativ leicht. Den anderen allerdings wird ihre Inkompetenz in Sachen “Lernen” anhand der Rückmeldung durch Noten relativ schnell bewusst (Phase 2). Nur wenige Schülerinnen und Schüler bringen derart viel Widerstandsfähigkeit auf, sich aus dieser Phase hinaus zu erheben und verharren während der Schulzeit in der bewussten Inkompetenz.

optimales lernen

c) by CREAPRO

Optimales Lernen hingegen passiert mit Spaß und Freude, mit Begeisterung und Interesse an der Sach, die es zu lernen gilt. Und diese Geisteshaltung sollte bei Jedermann gefördert werden. Nur so kann durch die mühsame Erfahrung in der dritten Phase die Expertenphase 4 erreicht werden, in der alles mühelos und leicht von der Hand zu gehen scheint. Optimales Lernen muss damit beginnen, eine neue Einstellung zum Lernen zu entwickeln. Und eben diese Einstellung sollte dann den Nährboden für immer weitere Lernerfolge liefern, bis es von ganz allein zu guten Noten und immer besseren Lernergebnissen kommt.

In meiner Arbeit als Lerntherapeut kommen häufig schwer gebeutelte Kinder mit massiven Lernstörungen (Lese-Rechtschreibschwäche/Legasthenie oder Dyskalkulie) zu mir. Diesen Kindern wird in der Schule immer wieder vor Augen geführt, dass sie die an sie gestellten Anforderungen nicht bewältigen können. Das zermürbt, senkt die Lebensqualität, die Freude am Lernen und die eigene Motivation (Warum sollte ich mir Mühe geben, wenn ich ohnehin nachher bescheinigt bekomme, dass ich es nicht kann?).

An dieser Stelle setzte ich mit LernCoaching/LernTherapie an – Kinder und Jugendliche sollten positive Lernerfahrungen machen dürfen und sich selbst darin erleben, wie sie in der bewussten Kompetenz (Phase 3) gut zurecht kommen. Mit der Zeit kann sich dann auch optimales Lernen entwickeln – als Ergebnis häufiger, motivierter und immer stärker gewollter Lernprozesse.

Wie aber entwickeln diejenigen optimales Lernen, die (glücklicherweise) nicht von Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Dyskalkulie betroffen sind? Auch hier müssen  positive Lernerfahrungen gemacht werden. Es gibt viele Lerntechniken, die den Spaß am Lernen fördern und sowohl die Funktionen der rechten als auch der linken Gehirnhälfte nutzen. Die Wirksamkeit dieser Lerntechniken wird durch immer weitere Ergebnisse der Gehirnforschung bestätigt. Optimales Lernen nutzt natürlich Gehirnprozesse und die eigenen individuellen Begabungen und Stärken, um mit dem Lernstoff effektiv umzugehen.

Optimales Lernen geht deshalb leicht von der Hand, weil es Spaß macht – und weil unser Gehirn nichts lieber tut, als zu lernen. Allerdings nur dann, wenn der Lernprozess auch so abläuft, dass er im wahrsten Sinne des Wortes “gehirn-gerecht” ist.

Die vier Phasen für optimales Lernen sollen nun ersteinmal ein grundlegendes Verständnis liefern, um dann im nächsten BLOG-Beitrag einen handhabbaren Ablauf für wirklich optimales Lernen zu erhalten.

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