Schule und Sportvereine

Schule und Sportvereine

Die Schule hat sich verändert,

in vielerlei Hinsicht. Und man kann nicht sagen, dass die Bedingungen für die Kinder und damit für das Lernen besser geworden wären. Die im Föderalismuskonzept der Bundesrepublik nicht nur zementierte, sondern in den Köpfen betonierte Kulturhoheit jedes einzelnen Bundeslandes bringt es mit sich, dass sich die schulische Bildungsarbeit zigfach unterschiedlich und untereinander unkompatibel entwickelt.

Familien, die berufsbedingt ihren Wohnort einmal oder mehrmals während der schulpflichtigen Jahre wechseln müssen, erleben zum Teil Horrorszenarien und formalistisch erzwungene Wiederholungsjahre.

Das alles wäre mit einer bundeseinheitlichen Regelung oder wenigstens einem bundesweit abgesteckten Rahmen und wechselseitiger Anerkennung vermeidbar. Aber so weit “denkt” Bildungspolitik nicht. Sie stellt das Wohl und die Zukunft der Kinder nicht ernsthaft in den Mittelpunkt.

Das leidige Thema der Verkürzung der Gymnasialzeit von 9 auf 8 Jahre bis zum Qualitätssiegel Abitur ist beispielsweise dadurch gekennzeichnet, dass der Stoffplan nicht mitangepasst wurde. Durch Zeitdruck wurde der Leistungsdruck erhöht.

Es ist aus pädagogischen Gründen ein Vorteil, dass Berlin bei einer 6-jährigen Grundschule geblieben ist. In anderen Bundesländern führt der Zwang, die Kinder nach nur 4 Schuljahren auf weiterführende Schultypen aufteilen zu müssen zu extra Druck und schädlichem Stress für die Kinder.

Und es ist Augenwischerei und eine Ablenkungsdiskussion, wenn die zusammengelegten ersten beiden Schuljahre als “Entlastung” ins Feld geführt werden. Sie verwischen eine zeit-kindgerechte Beschulung.

Der blinde Entschluss, die Vorschulen wegfallen zu lassen (in Berlin seit 2005), hat die pädagogische Zuwendung für die Kinder nicht erhöht, sondern Qualitäten abgeschafft:

  • die frühe Gemeinschaftsbildung
  • das unauffällige “Mitziehen” der Kinder aus Migrationsfamilien und bei “bildungsfernen Eltern” (> mehr Chancengleichheit)
  • das spielerische Heranführen an einen geordneten Lernalltag
  • dem Kindeswohl dienende Individualentscheidungen für “Spätentwickler”.

Und bei alledem hält die Berliner Politik gegen vielfachen fachlichen Rat an der “Früheinschulung” fest, die Kinder schon vor dem 6. Geburtstag einschult. Bei der eigenwilligen und konzeptlosen Bildungspolitik stellt die Berliner SPD seit Jahren das zweifelhafte Senator(inn)enpotential. Sie ist auch, und zwar unentschuldbar zuvorderst, für die katastrophale Personalentwicklung des gesamten öffentlichen Dienstes ohne Ausnahme der Schulen und die verfehlte Ausbildungs- und “Eingruppierungs”-Praxis bei den Lehrern verantwortlich. Das Vorzeigen von Aktivitäten war bislang Aktionismus, an Einsicht fehlt es schon deshalb, weil man damit Fehler einräumen müsste.

Als man in den vergangenen Jahren für den größten Teil der Berliner Schulen einen Wechsel zu Ganztagseinrichtungen beschloss, hat man die fehlenden Voraussetzungen dafür fortgeschrieben. Damit gilt auch hier wieder und weiterhin:

  • zu wenig Personal
  • überalterte Personalkörper ohne demographisches Korrektiv
  • alte Lehrkonzepte und überholte Rahmenpläne aus praxisfremden Gremien

Die Begleiterscheinungen sind u.a.:

  • die Ganztagsbetreuung überfordert die Schulen
  • Konzepte fehlen ebenso wie das erforderliche Personal
  • verwahren und verwalten statt betreuen und fördern
  • fehlende Vorgaben, dass mit Schulschluss auch die Aufgaben beendet zu sein haben.

Die Folge ist, dass auch bei Ganztagsschulbetrieb noch eine Menge Hausaufgaben gefordert sind. Die Schüler mittlerer und höherer Klassen kommen so locker über 50-Stunden-Wochen.

Und jetzt komme ich auf die Überschrift zurück:

Fehlendes Nachdenken

und der fachliche und politische Totalausfall von Folgeabschätzungen führen dazu, dass Kinder und Jugendliche nach der Schule immer weniger Bereitschaft, Kraft und Energie für Hobbys haben. “Die sind fertig” und neigen nachweislich zu Medienkonsum einerseits (TV, PC, Spielkonsolen …) und Impulskonsum andererseits (alles was “kickt”, Videoclips, unkontrollierte Kontakte und Abtausche in sozialen Netzwerken, …).

Sportvereine sind zum Teil in ihrer Existenz gefährdet. Sie verzeichnen dauerhafte Rückgänge an Zulauf, weil die Kinder und Jugendlichen immer häufiger vermeiden, sich nach dem “Schlauch Schule” weitere Verpflichtungen, Routinen und Engagement aufzulasten. Dabei ist Sport als Ausgleich für Geist und Gehirn eine wichtige Ergänzung zum Lernen, die das Lernen nahezu spielerisch verbessert und die Sozialkompetenz erhöht. Und das auch ganz wichtig schon im Grundschulalter.

Sportliche Übungen und Spiel, psychomotorische Konzepte sowie Gruppenverhalten vermitteln Fairness, Körper- und Selbstbewusstsein, Solidarverhalten. Regeln werden zum Teil ausgemacht, andere auch einfach anerkannt und praktiziert.

Seit über 20 Jahren gibt es in Berlin ein Programm “Schule und Sportverein”. Was früher kaum jemand von außen bemerkte, führt nun vermehrt dazu, dass sich Vereine in Schulen und in der Ganztagsbetreuung engagieren. Geeignete Voraussetzungen hat die Bildungspolitik aber versäumt zu schaffen.

Es sind sowohl Existenzprobleme, die Notwendigkeit zur normalen Nachwuchsarbeit, bei engagierten Profivereinen ist des auch die Talentsuche, die die Vereine in die Schulen treibt und schlecht bezahlte Übungsleiter bzw. Vereinstrainer sich mühen lässt. (In Berlin an mehr als 300 Schulen, fast 800 Maßnahmen). Manche Schulen helfen sich mit Fördervereinen, Elternspenden, Sponsoren oder gar Stiftungsunterstützungen. Dass so etwas funktioniert, verkleistert den Blick auf einen Ausfall in der Bildungspolitik, das Fehlen von Strategie und Finanzierungskozept. Die Sprüche der Funktionäre übertünchen das Versagen und die Mangelsituation.

Bildung und das Wohl der Kinder stehen absehbar nicht im Fokus der Politik. Nur ein Träumer hätte glauben können, dass dazu etwas im Koalitionsvertrag steht. Wollen wir das so hinnehmen?

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